Medizindolmetschen während der Pandemie

Wie läuft medizinisches Dolmetschen in Schweizer Kliniken während der Quarantänelockerungen ab? – Beobachtungen einer Medizindolmetscherin, –

Nach dem Dolmetschen im USZ

Unter dem Titel publizierte Medizindolmetscherin und Co-Gründerin der Airdoc Health Travel Anastasia Will Sorvacheva ihren Artikel im LinkedIn. Wir zitieren hier ihre Beobachtungen.

“Im ersten Monat der Quarantäne fanden alle medizinischen DolmetschTermine, an denen ich teilnahm, ausschliesslich telefonisch statt. Wir kommunizierten via Lautsprechanlage. Dabei befand sich der Arzt in seiner Praxis oder Klinik, die Dolmetscherin (sprich ich) und der/die Patient/in blieben je in ihrem Zuhause. Über die Besonderheiten des Ferndolmetschens werde ich bei einer anderen Gelegenheit berichten.

Seit Anfang Mai ist in den meisten Kliniken, in denen ich arbeite, wieder Live-Dolmetschen vor Ort erlaubt, und zwar auch bei planmässigen medizinischen Terminen und nicht nur bei einem Notfall.

Wie so ein Dolmetschen vor Ort derzeit aussieht? – So, wie man es früher nur vom Dolmetschen in Operationssälen kannte. Man muss Mundschutz tragen, die Hände ständig desinfizieren und darf nichts berühren. Heute sind diese Massnahmen bei jedem Dolmetschanlass Pflicht.

Vor dem Dolmetschen im Hirslanden

Immer noch sind nur Patienten, Mitarbeiter und Dolmetscher in Schweizer Kliniken zugelassen. Besuche von Verwandten oder Bekannten in Krankenhäusern sind weiterhin verboten.

Am Eingang einer medizinischen Einrichtung muss man heute seine Hände desinfizieren und dann einen Mundschutz aufsetzen. Masken werden in allen Kliniken, in denen ich dolmetsche, kostenlos zur Verfügung gestellt. Wenn man mit einer eigenen Maske gekommen ist, darf man diese in der Klinik weitertragen.

Am Eingang jedes Krankenhauses wird man heute an der Rezeption angehalten, nach dem Grund des Besuches gefragt und auf die Hygieneregeln aufmerksam gemacht.

In einigen Kliniken wird zusätzlich am Eingang bei jedem Besucher – Patienten, Dolmetscher, Personal – mit einem kontaktlosen Thermometer die Körpertemperatur gemessen. Jeder muss zudem bestätigen, dass er oder sie keine Symptome akuter Atemwegserkrankungen hat. Als ich kürzlich mit dem Fahrrad zum Dolmetschen kam und das Thermometer eine Temperatur über dem Normalwert anzeigte, wurde ich gebeten, ein paar Minuten an der Rezeption zu warten, um meine Körpertemperatur erneut zu messen. Erst nachdem alle Indikatoren im Normbereich lagen, durfte ich in die Klinik zur Arbeit. Eine solche Anordnung gibt es nicht überall. Aber zum Beispiel in einigen Abteilungen des Universitätsspitals Zürich (USZ) – wo ich seit mehr als 6 Jahren als medizinische Dolmetscherin tätig bin – schon. Auf dem Foto stehe ich vor dem Eingang der USZ Klinik für Konsiliarpsychiatrie. In dieser Klinik werden zudem alle Patienten und Dolmetscher im Vorfeld gefragt, ob man zu den Arztterminen kommen möchte oder ob man weiterhin via Telefonie/Videotelefonie behandelt werden möchte.

Risikopatienten sollten nach Möglichkeit weiterhin ferntherapiert werden und nur im Notfall in die Klinik kommen. Dolmetscher, die zu einer Risikogruppe gehören oder sich Sorgen um die Gesundheit von Angehörigen machen, können ebenfalls weiterhin ferndolmetschen.

Momentan tragen wir den Mundschutz eigentlich während des ganzen Arzttermins. Stationäre Patienten dürfen ihn manchmal während bestimmter Eingriffe oder Konsultationen und mit der Erlaubnis des Arztes, entfernen.

Ein psychologischer Aspekt: Es ist oft etwas seltsam, mit Menschen, die man schon lange kennt – sprich: mit Ärzten und Patienten – maskiert zu kommunizieren und zu arbeiten. Manchmal brauchen wir alle ein paar Sekunden, um zu verstehen, wer vor uns steht. Aber ich denke, wir werden uns bald daran gewöhnen, mit Mundschutz zu übersetzen.

Meine Sprachen sind Russisch, Deutsch, sowie Englisch und Italienisch. Ich dolmetsche und übersetze in beide Richtungen. Meine Kunden sind Schweizer Kliniken, Ärzte und Wirtschaftskreise, sowie Patienten und Geschäftsleute aus dem Ausland.